Getreideernte Deutschland 2016 – Deoxynivalenol auf Überholspur

Getreideernte Deutschland 2016

Verstärkter Befall mit Ährenfusarien

In jenen Landesteilen Deutschlands, aus denen die Mehrzahl der analysierten Proben stammt, lagen die Abweichungen der Niederschlagsmengen (in Liter pro Quadratmeter) im Juni mehr als 120 Prozent über den 30jährigen Mittelwerten. Ein Blick auf die Temperaturstatistik zeigt, dass auch die Temperaturen im entsprechenden Zeitraum angenehm warm waren und ebenfalls deutlich über den 30jährigen Vergleichswerten lagen. Diese feuchtwarmen Wetterbedingungen begünstigten die Infektion mit Ährenfusarien (Fusarium graminearum, F. culmorum) während der Getreideblüte. Die weitere Entwicklung der Pilze in den Ähren und die Bildung von Mykotoxinen wurden von starken Niederschlägen und hohen Temperaturen bis zur Pflanzenreife und der weiteren Dauer bis zur Ernte begünstigt.

Da es aber sowohl Gebiete mit vermehrtem Niederschlag als auch jene mit geringeren Niederschlagsmengen gab, ist eine ähnlich unterschiedliche Verteilung der Mykotoxinbelastung nach Region zu erwarten. Ein augenscheinliches Fehlen von Fusarium-Pilzbefall auf Ähren und Getreidekörnern ist jedenfalls kein Garant für niedrige Mykotoxinwerte.

Ergebnisse der Biomin Mykotoxin Getreideuntersuchungen

Die aktuelle Mykotoxin-Studie zur Getreideernte aus Deutschland gewährt einen ersten Einblick in die Belastung von Weizen, Gerste, Triticale und Hafer mit DON. Zu diesem Zweck wurden mehr als 100 Proben aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands, der Großteil an Proben stammt aus südlich gelegenen Landesteilen, gezogen und mittels ELISA-Test auf DON untersucht.

Die Ergebnisse in Gerste zeigen, dass die Werte für DON vergleichsweise sehr hoch sind. 84% aller getesteten Proben waren positiv für DON mit einer mittleren Kontamination von 1,803 ppb (µg/kg). 52% aller getesteten Proben liegen über 900 ppb, dem EU Richtwert für DON im Fertigfutter für Schweine. Ein ganz ähnliches Bild zeichnet sich für Weizen ab. 80% aller analysierten Proben waren positiv für DON mit einer mittleren Belastung von 2,441 ppb. 33% der Proben liegen hier über dem 900 ppb Orientierungswert. Die Maximalwerte aus den Analysen liegen für beide Getreide extrem hoch: über 7,800 ppb bei Gerste und über 16,000 ppb bei Weizen (Tabelle 1).

Tabelle 1. Zusammenfassung der Ergebnisse der DON Kontamination in Gerste und Weizen aus Deutschland 

Source: BIOMIN Getreidesurvey DE 2016

Für Triticale- und Haferproben werden ebenfalls deutlich höhere Belastungen mit DON beobachtet. Bei der Interpretation der Ergebnisse muss hier allerdings die geringe Anzahl an bisher analysierten Proben berücksichtigt werden. In Triticale findet sich in 56% der analysierten Proben eine mittlere Belastung von 587 ppb. Haferproben sind zu 100% positiv für DON mit durchschnittlich 759 ppb (Tabelle 2).

Tabelle 2.  Zusammenfassung der Ergebnisse der DON Kontamination in Triticale und Hafer aus Deutschland

Source: BIOMIN Getreidesurvey DE 2016

Aufnahme von DON kontaminierten Futter

DON schädigt das Tier schon lange bevor man offensichtliche Symptome (Futterverweigerung, Nekrosen) wahrnehmen kann. Erstes Angriffsziel für DON ist die Darmschleimhaut mit ihren Darmzotten, die zur Oberflächenvergrößerung des Darmes dienen und wichtig für eine effiziente Nährstoffaufnahme sind. Bereits geringe Konzentrationen von DON führen zu einer Verkürzung und Rückbildung der Darmzotten und somit zu einem erheblichen Oberflächenverlust. Nährstoffe können nicht mehr ausreichend aufgenommen und entsprechend verwertet werden. Leistungseinbußen sind die Folge.

In den feinen Gefäßen von Extremitäten (Schwanz, Ohr, Klaue) kann DON Zellschädigungen und Gewebsveränderungen verursachen. Das Gewebe wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt und stirbt ab, sichtbar durch Ohrspitzen- oder Schwanznekrosen. Diese Symptomatik kann natürlich durch mehrere Auslöser gemeinsam hervorgerufen werden, aber der Einfluss von Mykotoxin-kontaminiertem Futter sollte hierbei nicht unterschätzt werden.

Zusammenfassend ist zu sagen

Erste Analysenergebnisse deutscher Getreideproben bestätigen die Expertenmeinungen: die Ernte 2016 ist wesentlich höher mit Mykotoxinen, allen voran DON, belastet als das in den vorangegangenen beiden Jahren der Fall war.

Ein sensibles und effektives Mykotoxin-Risiko-Management mit regelmäßigen Futteranalysen, sorgfältiger Rationsgestaltung und dem Einsatz eines bewährten, qualitativ hochwertigen Produktes zur Mykotoxin-Deaktivierung wird in diesem Jahr wieder stark in den Vordergrund rücken.

Erst dann kann die volle Leistungsfähigkeit unserer Nutztiere auch in herausfordernden Produktionsstadien gewährleisten werden.