Strategien für effiziente Mastschweinefütterung

Grundsätzlich gilt, dass alle Produktionsmittel so effizient wie möglich eingesetzt werden müssen. In der Fütterung sollte deshalb das Augenmerk auf die erbrachte Leistung (Futterkosten pro kg Lebendmassezuwachs) gelegt werden - denn nicht die absoluten Futterkosten sind entscheidend. Dabei muss auch die Schlachtkörperqualität im Auge behalten werden, denn nur Schweine, die den Marktanforderungen entsprechen bringen Zuschläge innerhalb der Preismaske. Eine ökonomische Schweinemast beruht auf vier Punkten:

  • Hohe Tageszunahmen
  • Effiziente Futterverwertung
  • Minimale Futterverluste
  • Optimale Schlachtkörperqualität

Hohe Tageszunahmen sorgen für mehr Effizienz

Grundsätzlich gilt: „Je höher die Tageszunahmen, umso effizienter die Mast“. Die Betriebszweigauswertung für die Schweinemast in Baden-Württemberg ergab durchschnittliche Zunahmen von 750g pro Tag bei einem Magerfleischanteil von 59%. Aber auch höhere Zunahmen sind keine Seltenheit mehr. Hohe Zuwachsleistungen reduzieren den Erhaltungsbedarf am Gesamtbedarf und verbessern die Futterverwertung.

Ein Reduktion des Futteraufwandes von 100 g pro kg Zuwachs bedeutet eine Einsparung der Futterkosten von etwa 2 € pro Mastschwein.

In der Vor- und Anfangsmast auf Fleischansatz füttern

Besonders in der Anfangsmast muss auf eine ausreichende Eiweiß- und Aminosäureversorgung geachtet werden um das genetische Potential für den Fleischansatz optimal auszuschöpfen. Minderleistungen können später nicht mehr kompensiert werden. Daher sollte der Lysingehalt zwischen 10,8 und 11,2 g je kg Alleinfutter liegen. Bei einem Energiegehalt von 12,9 bis 13,5 MJ ME im Futter ergibt sich ein Lysin-Energieverhältnis von 0,83 bis 0,85. Wer bereits mit verdaulichen Aminosäuren rechnet, sollte Gehalt von 9,2 bis 9,6 g verd. Lysin je kg Alleinfutter in der Optimierung einsetzen.

In der Endmast Luxuskonsum vermeiden

Ein Großteil des Futters, nämlich etwa 65 %, wird in der Endmast verbraucht. Mit zunehmendem Lebendgewicht besteht der Zuwachs vermehrt aus Fett wodurch sich die Futterverwertung verschlechtert. Der Muskelfleischansatz ist größtenteils abgeschlossen. Daher bleibt ab einem Gewicht von ungefähr 65 kg der tägliche Bedarf an Rohprotein, Aminosäuren und Mineralstoffen fast konstant. Durch die höhere Futteraufnahme kann deshalb der Gehalt an Protein und Aminosäuren im Verlauf der Endmast um 10 bis 15 % abgesenkt werden. Durch eine Mehr- oder Multiphasenfütterung wird die Ration dem tatsächlichen Bedarf des Tieres angepasst (Abbildung 1).

Abbildung 1. GFE-Empfehlungen zur Energie und Nährstoffversorgung von Schweinen 2006.

Das entlastet nicht nur den Stoffwechsel der Tiere, sondern reduziert auch die Ammoniakausscheidung. Durch den effizienten Einsatz teurer Eiweißfuttermittel werden die Futterkosten gesenkt.

Die DLG hat in ihrer Informationsbroschüre zur erfolgreichen Mastschweinefütterung (2010) für die Mast von fleischreichen Schweinen ab 90 kg einen Lysingehalt von 8,5 g und ein Lysin-Energie-Verhältnis von 0,60 vorgeschlagen. Ob man unter praktischen Verhältnissen bei vorwiegend maisbetonten Rationen den Lysingehalt soweit absenken kann ist von vielen Faktoren abhängig und muss immer betriebsindividuell betrachtet werden.

Folgende Punkte sollten hier berücksichtigt werden: 

  • Rohprotein und Aminosäuren nicht zu früh reduzieren - genetisches Potential für Fleischansatz ausschöpfen
  • Regelmäßige Analyse der Schlachtauswertungen sowie Anpassung der Ration
  • Nährstoffanalyse der Futterkomponenten um die Ration noch genauer am Bedarf anzupassen
  • Schnellwüchsige Tiere und Kastraten zu Mastende restriktiv füttern um ein Verfetten zu vermeiden 

Eine gute Vorselektion und Wiegung einzelner Tiere vor dem Verkauf hilft bei der Bestimmung des optimalen Verkaufstermins.

Eiweißversorgung wesentlich

Eiweißfuttermittel verursachen aktuell ca. 40-50 % der gesamten Futterkosten in der Schweinemast. Eine Optimierung dieser Komponenten macht daher Sinn. Der durch eine Eiweißreduktion entstehende Bedarf an Aminosäuren kann durch Zulage von freien Aminosäuren über das Mineralfutter ausgeglichen werden. Hier ist wichtig, dass man gewisse Regeln befolgt. Der Gehalt an verdaulichem Rohprotein soll nicht unter 12,5 % (Vormast) fallen. Ansonsten werden Folgeaminosäuren, die nicht synthetisch verfügbar sind limitierend und der Fleischansatz nimmt ab. Wie weit man den Eweißgehalt in der Ration absenkt hängt sehr stark von aktuellen Marktpreisen für Eiweißfuttermittel, Aminosäuren, aber auch vom Mais und Getreide ab. Eiweißoptimierung, d.h. eine dem Bedarf angepasste Fütterung von Aminosäuren (Eiweiß) bringt aber auch Vorteile in puncto Tiergesundheit und Geruchsbelastung mit sich. Schon alleine deshalb darf hier die Frage gestellt werden inwieweit Mineralfutter mit 5 % Lysin noch ihre Berechtigung in der modernen Mastschweineproduktion haben.

Durch die hohen Sojapreise der vergangenen Jahre hat sich der verstärkte Einsatz von Eiweißalternativen bewährt. Beachtet man Einsatzgrenzen, wie beispielsweise aufgrund von antinutritiven Substanzen, so spricht einer Verfütterung nichts entgegen. Aufgrund verminderter Aminosäureverfügbarkeiten im Vergleich zu Sojaschrot muss jedoch unbedingt auf Basis verdaulicher Aminosäuren gerechnet werden.

Verdauung optimieren

Nur ein gesundes Tier kann auch hohe Leistungen erzielen. Besonders die Darmgesundheit steht hier im Vordergrund da nur ein voll funktionsfähiger Darm in der Lage ist Nährstoffe aus dem Futter optimal aufzunehmen.

Verschiedene Maßnahmen können unterstützen

  • Verbesserte Futterhygiene: Säureprodukte (Weltacid, ProAktiv, Biotronic® SE forte liquid) verbessern die Futterhygiene und Futterverwertung
  • Auf die Futterstruktur achten: Grobes Futter wird unzureichend verdaut, zu feines Futter verursacht Magengeschwüre. Bei Bedarf die Lochsiebe tauschen
  • Ausreichende Faserversorgung: mindestens 3 %, bei Problemen den Fasergehalt auf 3,5 – 4 % erhöhen
  • Mykotoxine im Futter: Futterzusätze (Mycofix® ) helfen die negativen Auswirkungen von kontaminiertem Futter zu bekämpfen
  • Phytogene Zusätze: Stimulieren die Verdauung, verbessern die Futteraufnahme und Verwertung
  • Wasserversorgung kontrollieren: Die Wasserversorgung bestimmt die Futteraufnahme (3 – 4 l Wasser pro kg Futter)
  • Stallklima optimieren