Sechs Strategien gegen aviäre Cellulitis bei Broilern


Photo: sansubbat

In den USA entsteht den Geflügelproduzenten durch die aviäre Cellulitis bei Broilern pro Jahr ein wirtschaftlicher Schaden in Höhe von etwa 35 Millionen Dollar, was die Hälfte des Wertes aller jährlich verworfenen Schlachtkörper ausmacht. In Kanada stellt die Cellulitis bei Broilern den Hauptgrund für das Verwerfen von Schlachtkörpern dar. Viele Geflügelproduzenten auf der ganzen Welt sind von dem Problem betroffen.

Überraschung am Schlachthof

Source: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID)Die aviäre Cellulitis, eine chronische, hauptsächlich durch bakterielle Infektion charakterisierte Hautkrankheit, ist eine heimtückische Erkrankung. Das am häufigsten aus den Läsionen isolierte Pathogen ist E. coli, wobei in den meisten Fällen der pathogene Serotyp O78 isoliert wurde (Derakhshanfar et al., 2002). Bei Broilern beginnt die Cellulitis bereits während der Mastperiode im Broiler-Betrieb, wird aber erst am Schlachthof nach dem Abbrühen und Rupfen der Federn entdeckt. Die von Cellulitis betroffenen Schlachtkörper werden bei der amtstierärztlichen Kontrolle zurückgewiesen und entsorgt, was für die Produzenten mit wirtschaftlichen Verlusten verbunden ist.

Verluste in undefinierter Höhe

In vielen Länder wurde der geschätzte Marktwert der Verluste durch Verwerfen von Schlachtkörpern noch nicht klar definiert, obwohl die vielerorts gemachten Anstrengungen zur Identifizierung der Ursache und zur Quantifizierung der Folgen der aviären Cellulitis gezeigt haben, dass es sich um ein wirklich bedeutendes Problem handelt.

In Brasilien wurde zur Klassifizierung der Gründe für das Verwerfen von Geflügelkarkassen an zwei Schlachthöfen eine Studie durchgeführt (Abbildung 1). Am Schlachthof A, einem Unternehmen mit vertikaler Integration, belief sich die Anzahl der aufgrund von aviärer Cellulitis verworfenen Schlachtkörper auf 4,25 % aller Schlachtungen und 51 % aller verworfenen Karkassen. Am Schlachthof B, ebenfalls mit vertikaler Integration, kam es bei 0,91 % aller Schlachtungen zum Verwerfen der Schlachtkörper aufgrund von Cellulitis, was 25 % aller verworfenen Karkassen ausmachte. Die unterschiedlichen Ergebnisse sind aller Wahrscheinlichkeit nach auf die verschiedenen Managementpraktiken der Betriebe zurückzuführen.


Abbildung 1. Gründe für das Verwerfen von Schlachtkörpern an zwei brasilianischen Schlachthöfen.
Quelle: Santana A. P., et al., 2008

Gegenmaßnahmen

Produzenten können zur Bekämpfung der aviären Cellulitis im Betrieb eine Reihe von Maßnahmen ergreifen. Dazu zählen das Fördern einer dichten Befiederung, die Überwachung der Besatzdichte der Vögel, verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen, Anpassung der Impftermine, Überprüfung der aktuellen Managementpraktiken und das Sicherstellen einer guten Darmgesundheit.

1. Fördern einer dichten Befiederung

Das Einführen genetischer Broilerlinien mit verzögerter Federreife in den Markt hat das Cellulitisproblem verstärkt. Moderne Broiler haben einen stärker ausladenden Brustmuskel, der die Gefahr vermehrter Kratzverletzungen mit sich bringt. Studien zufolge besteht der Wichtigste für Cellulitis prädisponierende Faktor in der Tatsache, dass die Federreife erst mit 28 Tagen abgeschlossen ist. Somit ist ein entsprechendes Management, das eine gute Befiederung unterstützt, von besonderer Bedeutung. Auch das Vermeiden zu hoher Umgebungstemperaturen, insbesondere zwischen der zweiten und der vierten Lebenswoche, kann zur Stimulierung der Befiederung und somit zur Reduzierung der Cellulitis beitragen.

2. Überwachung der Besatzdichte

Eine erhöhte Besatzdichte wird mit einer höheren Inzidenz von Kratzverletzungen in Verbindung gebracht; dies wiederum macht die Vögel anfälliger für Cellulitis. Dieser einfache Zusammenhang (mehr Vögel = mehr Kratzverletzungen = mehr Cellulitis) ist sehr wichtig, insbesondere in Betrieben, in denen die Besatzdichte ohne begleitende Maßnahmen wie zusätzliche Fütterungs- und Tränkeeinrichtungen erhöht wird, da sich dadurch der Kampf um Fress- und Trinkplätze unter den Vögeln erhöht.

3. Verstärkte Biosicherheitsmaßnahmen

Schlechte Einstreuqualitäten stehen ebenfalls in Zusammenhang mit erhöhter Inzidenz von aviärer Cellulitis. Eine feuchte Einstreu ist der ideale Nährboden für Bakterienwachstum. Häufiger Kontakt zwischen dem Brustbereich der Vögel und der nassen Einstreu steigert die bakterielle Kontamination. Über Kratzwunden werden die Pathogene dann von der Einstreu auf die Vögel übertragen. Durch die feuchte Einstreu kommt es auch zu verschmutzten Krallen mit erhöhter bakterieller Kontamination, wodurch sich die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung der Erreger beim Kratzen erhöht. Der Reinigung und Desinfektion der Ställe zwischen den einzelnen Produktionszyklen kommt somit eine große Bedeutung zu. Das Sicherstellen einer Wartezeit von mehr als 15 Tagen kann auch zur Reduzierung der Inzidenz einer aviärer Cellulitis im Betrieb beitragen.

4. Anpassung der Impftermine

Die Durchführung der Impfungen im Brutbetrieb kann auch dazu beitragen, die Gesamtzahl an verworfenen Broilerkarkassen – einschließlich der aufgrund von Cellulitis verworfenen Schlachtkörper – im Schlachthof zu reduzieren (Paniago M., CEVA-Bulletin, 2009). Die Ergebnisse eines in Südbrasilien durchgeführten Versuchs zeigten, dass die frühzeitige Verabreichung der IBD-Impfung – also bereits im Brutbetrieb und nicht erst im Mastbetrieb – die meisten Ursachen für das Verwerfen von Schlachtkörpern und insbesondere die aviäre Cellulitis bei Broilern reduziert (Abbildung 2).


Abbildung 2. Frühzeitigere Impfungen reduzieren die Verwerfungsrate
Quelle: Paniago, 2009

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass es vor jeder Änderung des Impfprogramms wichtig ist, zuerst das Tierärzteteam sowie den Impfstoffhersteller zurate zu ziehen.

5. Aktualisierung der Managementpraktiken

Mit Sicherheit muss aber auch an eine Verbesserung des Managements der Betriebe gedacht werden. Eine technische Ausstattung und eine bauliche Gestaltung der Ställe, die den Ansprüchen moderner Broilerlinien an Ventilation, Futter- und Wasserversorgung entsprechen, sind ein absolutes Muss.

6. Sicherstellen einer guten Darmgesundheit

E. coli, die Hauptursache der aviären Cellulitis der Broiler, ist ein opportunistischer Erreger, der im Darm der Tiere lebt und mit dem Kot in die Einstreu gelangt. Probiotika, also nützliche Bakterien, können die Mikroflora des Darms modulieren und die Verbreitung von E. coli in der Umwelt reduzieren. Durch kompetitive Verdrängung (wodurch das Anhaften von Pathogenen an die Enterozyten, also die Zellen des resorptiven Epithels des Darms, verhindert wird) und die Produktion von natürlichen antimikrobiellen Substanzen wie organischen Säuren und Bakteriozinen erschweren diese Mikroorganismen das bakterielle Wachstum und die Vermehrung von E. coli. Dadurch reduziert sich die Verbreitung von E. coli in der Umwelt, was in der Folge die Wahrscheinlichkeit einer E. coli-Infektion über Kratzverletzungen und Hautabschürfungen verringert.

Eine von Estrada et al. 2001 durchgeführte Studie zeigte, dass die Verabreichung von Bifidobacteria-Stämmen an Broiler die Inzidenz von Cellulitis an den Schlachtkörpern reduzierte. Die mit B. bifidum behandelte Gruppe wies eine geringere Verwerfungsrate der gesamten Schlachtkörper (2,8 % vs. 4,4 %) sowie eine, in Prozent der Gesamtpopulation, geringere Inzidenz an Broiler-Cellulitis (32,1 % vs. 55,4 %) auf als die Kontrollgruppe (Abbildung 3).


Abbildung 3. Der Einsatz von Probiotika kann das Auftreten einer Vellulitis verringern.
Quelle: Estrada et al., 2001

Schlussfolgerung

Die Cellulitis der Broiler stellt weltweit eine der Hauptursachen für das Verwerfen von Schlachtkörpern dar und bedeutet für die Produzenten einen beträchtlichen wirtschaftlichen Verlust. Geflügelproduzenten können jedoch eine Reihe von Maßnahmen zur Bekämpfung der aviären Cellulitis ergreifen, nämlich Förderung von Federreife und Befiederung, Überwachung der Besatzdichte, Verstärkung der Biosicherheit, Anpassung der Impftermine, Aktualisierung der Managementpraktiken und Sicherstellen einer guten Darmgesundheit durch den Einsatz von Probiotika.