Synbiotika zum Aufbau einer gesunden und stabilen Darmflora

Escherichia (E.) coli Erkrankungen im Geflügel sind nach wie vor von großer Bedeutung – ca. 40% der Schlachtkörper weltweit weisen Läsionen auf, die auf E. coli zurückzuführen sind.

Die initiale Infektion findet direkt nach dem Schlupf statt, wenn E. coli Stämme, die überall in der Umwelt vorkommen, sich im Jungtier ansiedeln. Teilweise kommt es aber auch zum horizontalen Transfer von den Elterntieren über das Ei zum Küken. Direkt nach dem Schlupf arbeitet das Immunsystem der Küken noch nicht vollständig, dazu kommen eventuelle Probleme während der Brut, Transportschäden, Unterkühlung, virale Infekte, usw., die das Immunsystem weiter schwächen.

Virulenten E-Coli Stämme können sich dann ungehindert weiter im Darmtrakt ausbreiten und behindern die Entwicklung einer gesunden Darmflora. Vorbeugende Maßnahmen sind einwandfreie Bruttechnik und –hygiene, adäquate Raumtemperatur und Wärmelampen, sowie tägliche Reinigung der Futter- und Trinkgeschirre. Dementsprechend ist einwandfreies Küken-Management unerlässlich. Ergänzend dazu ist auch eine Verabreichung von Darmflora-stabilisierenden Additiven wie Prä-, Pro- und Synbiotika zu empfehlen. . Präbiotika, wie z. B. Fructooligosaccharide (FOS), sind unverdaulich für das Geflügel, aber essentiell für die Entwicklung einer gesunden Darmflora. Das besondere an diesen Präbiotika ist, dass nur bestimmte, gute Darmkeime wie Bifidobakterien diese Kohlehydrate aufbrechen und als Nährstoffe verwenden können. Wenn Bifidobakterien den Darm kolonisieren, haben es Schaderreger wie E. coli schwer, sich zu behaupten.

Dies setzt natürlich voraus dass gutartige Keime bereits vorhanden sind, was durch die üblichen Hygienemaßnahmen im Stall nicht unbedingt gegeben ist. Dementsprechend sind Probiotika eventuell die wirksamere Alternative, da sie per Definition lebendige, gutartige Keime enthalten. Neben Bifidobakterien sind Laktobazillen und bestimmte Stämme von Enterokokken dafür bekannt, dass sie den Darm kolonisieren und die gute Darmflora etablieren und erhalten können. Bazillen werden auch oft verwendet, sind aber für die Entwicklung einer gesunden Darmflora nicht essentiell. Synbiotika sind eine Kombination aus Prä- und Probiotika und sind oft die schnellste und wirksamsten Methode, eine gesunde und stabile Darmflora aufzubauen und langfristig zu erhalten.

Um den Einfluss von E. coli-Belastung im Zusammenhang mit Kältestress in Küken genauer zu beleuchten, wurde eine wissenschaftliche Studie mit 440 männlichen Eintagsküken durchgeführt. Die Tiere wurden in Bodenhaltung auf frischen Hobelspänen für drei Wochen gemästet. Evaluiert wurden Kältestress, E. coli-Verabreichung und die Behandlung der Tiere mit verschieden Zusatzstoffen.

Pro 3,9 m2 Stalleinheit wurden 20 Tiere in zwei identischen, nebeneinander liegenden Räumen eingestallt. Im ersten Raum (kein Kältestress, KS-) standen Rotlicht-Wärmelampen zur Verfügung, die Raumtemperatur wurde während der ersten Woche konstant bei 27°C gehalten und dann nach Züchtervorgabe graduell abgesenkt. Im Kältestress-Simulationsraum (Kältestress, KS+) wurde ebenfalls bei 27°C eingestallt, ohne Wärmelampen, dazu wurde die Temperatureinstellung bereits ab dem zweiten Tag um je 1-2°C erniedrigt. Jedes Eintagsküken wurde über eine Oralsonde entweder mit einer sterilen Bouillon gefüttert (EC-), oder alternativ mit einer Dosis von 0,5 mL Bouillon mit 5x108 koloniebildenden Einheiten (KBE) eines virulenten E. coli-Stammes (EC+). Des Weiteren wurden ein Drittel der Kontrolltiere ohne Additive mit einem Standard-kommerziellen Futter aufgezogen (Gruppe KON), das zweite Drittel der Junghähne mit derselben Ration gefüttert, aber für drei Tage mit 15% einer präbiotischen, unverdaulichen Kartoffelstärke supplementiert (Bob’s Red Mill, USA; Gruppe UKS). Das letzte Drittel wurde mit einem multi-spezies Synbiotikum in verkapselter Form (PoultryStar® me, BIOMIN GmbH) mit 550 g/to im Futter für eine Woche ergänzt. Dazu wurde die wasserlösliche Form des Synbiotikums (PoultryStar® sol) im Trinkwasser für die ersten 3 Tage des Versuchs mit 0,02 g pro Tier und Tag gegeben, dann wurde die Trinkwasser-Applikation alle 7 Tage vor- und nach dem Wiegen der Tiere zur Reduktion des Stresses wiederholt (Gruppe SYN). Die Masthähne wurden täglich kontrolliert, alle Tierschutzrichtlinien wurden während des Versuchs eingehalten.

Die Tierverluste waren bei dieser Studie nicht beeinflusst. Nach drei Wochen im Versuch waren Tiere in der Gruppe SYN generell schwerer als in der Gruppe UKS und KON. Durch Kälte gestresste und mit E. coli behandelte Masthähne zeigten am 21. Tag eindeutig verlangsamtes Wachstum gegenüber nicht gestressten bzw. nicht behandelten Tieren (Grafik 1). Die Futterwertung war durch Kältestress der Küken negativ beeinflusst, wobei E. coli keinen signifikanten Einfluss auf die Futterverwertung hatte. Es gab aber eine Verbesserung der Futterverwertung innerhalb der Kältegestressten und E. coli-verabreichten Tiergruppe durch SYN im Vergleich mit KON (Grafik 1).

Grafik 1. Effekt der Anwendung von präbiotischer unverdaulicher Kartoffelstärke (UKS) oder multi-Spezies Synbiotikum (SYN) im Vergleich zu Kontrolltieren (KON) auf die Gewichtszunahme und Futterverwertung von drei Wochen alten Masthähnen mit Kältestress und E. coli-Verabreichung.

Das Wachstum von Masthähnen war durch Kältestress und den Kontakt mit E. coli am ersten Tag nach dem Schlupf negativ beeinflusst. Ein Präbiotikum allein war nicht in der Lage diese Effekte zu kompensieren, wobei die Behandlung mit einem Synbiotikum zu einer wesentlichen Verbesserung der Situation beitragen konnte.