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Klauenkrankheiten hausgemacht?

Die Haltungsbedingungen haben einen enormen Einfluss auf die Klauengesundheit und somit auch auf die Leistungsfähigkeit einer Kuh.

Insbesondere im Zusammenhang mit Klauenkrankheiten zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass mit einer bereits undeutlichen (!) Lahmheit ein Milchverlust einhergeht. Meist sind die sogenannte Mortellarosche Krankheit (auch: digitale Dermatitis) und die ebenfalls weit verbreitete Klauenrehe und ihre Folgen Auslöser dieser Lahmheiten. Betroffene Betriebe haben oft schmerzhafte wirtschaftliche Verluste.

Bei der Mortellaroschen Krankheit sind neben den auslösenden Keimen als Ursachen auch Feuchtigkeit und Hygienemangel beteiligt, zusätzlich scheinen „Stressfaktoren“ das Tier empfänglich zu machen (siehe unten). Aber auch die sogenannte „Klauenrehe“ und ihre Folgeerkrankungen wie minderwertige Hornbildung und Geschwüre haben oft mehrere Ursachen. Es handelt sich somit um multifaktorielle Erkrankungen. Es ist also nicht nur ein bestimmter Erreger oder eine einzige Ursache, der allgemein empfängliche Tiere erkranken lässt, sondern es sind oft einige Faktoren beteiligt, die die Symptome auslösen.

Definition „Mortellarosche Krankheit“

Umschriebene, oberflächliche, schmerzhafte Hautentzündung oberhalb des Kronsaumes am Ballen/in Fesselbeuge/um die Afterklauen/Vorderseite der Zehen.

Ursachen & Entstehung

  • Treponemen scheinen die wichtigste Rolle zu spielen.
  • Diese aktiv beweglichen Keime entfalten ihre schädliche Wirkung offensichtlich v.a. erst nach einer Erweichung und
  • Vorschädigung der Haut durch Gülle.
Die Mortellarosche Krankheit ist sehr schmerzhaft

Bei regelmäßiger Einzeltier-Behandlung, z.B. im Rahmen der Klauenpflege, heilen erkrankte Stellen größtenteils ab, die Tiere zeigen aber wenige Wochen später bereits wieder klinische Symptome. Unter Praxisbedingungen ist eine Tilgung der Infektion im Bestand nicht mehr möglich, eine Kontrolle der Erkrankung auf einem niedrigen Niveau ist das erklärte Ziel. Weniger als 10 % der Herde dürfen von akuten Läsionen betroffen sein. Dann kann das Einzeltier noch gezielt behandelt werden und der wirtschaftliche Schaden ist überschaubar.

Weitere auslösende Faktoren:

Befindet sich die Infektion im Stall, hängt die Ausprägung des Befalls von verschiedenen Faktoren ab. Dahingehend kann die digitale Dermatitis auch als Indikatorkrankheit für bestimmte Probleme dienen. Den Haltungsbedingungen, insbesondere der Stallhygiene, kommt eine große Bedeutung zu. Einerseits bereitet offensichtlich die bereits angesprochene Erweichung der Haut durch Jauche erst den Weg für die Erkrankung, andererseits ist der Keimdruck auf kotverschmutzten Laufflächen, in Kotresten in Ecken und Winkeln, v. a. auch in Kotresten auf den Liegeflächen, erhöht. In feuchten, warmen Stallungen finden die Keime ideale Bedingungen, zudem werden die Kühe durch schlechtes Stallklima negativ beeinflusst.

Daneben kann an weitere Faktoren, die die unspezifische Immunität empfänglicher Tiere schwächen, gedacht werden. Infektionskrankheiten (z.B. IBR, BVD, Paratuberkulose), Probleme in der bedarfsgerechten Futterzuteilung, Unruhe im Stall durch Zukauf neuer Tiere oder ständiges Umstallen in Gruppen, Überbelegung, mangelnde Klauenpflege und minderwertiges oder gar schimmeliges Futter können den Tieren
zusetzen. Auch das Stallklima hat einen großen Einfluss - v.a. Hitzestress kann die körpereigene Abwehr stark in Mitleidenschaft ziehen.

Äußerst wichtig ist in diesem Zusammenhang mangelnder Kuhkomfort. Tiere, die unter ungünstigen Haltungsbedingungen leben, stehen unter ständigem Stress. Alle diese Faktoren schwächen die körpereigene Abwehr der Kühe und könnten somit den Ausbruch einer Erkrankung begünstigen.

Bei unbequemen Liegeboxen stehen mehr als 10% der Kühe

Definition „Klauenrehe“

Die Klauenrehe (Laminitis) entsteht infolge einer Stoffwechsel- und Durchblutungsstörung der Lederhaut. Die geschädigte Lederhaut kann nur noch minderwertiges Horn bilden.

Ursachen

Fütterungsfehler, die zu Fermentationsstörungen im Pansen führen, werden am häufigsten für das Auftreten von Klauenrehe verantwortlich gemacht. Im Zusammenwirken mit einer Überlastung der Klauen (harte Laufflächen, lange Stehzeiten) kommt es dann zu schweren, oft dauerhaften Schäden. Giftstoffe und mangelhafte Durchblutung beeinflussen die Lederhaut negativ.
Auch rund um den Geburtszeitpunkt verursachen Veränderungen im Stoffwechsel (Ketose etc.), aber auch entzündliche Vorgänge in der Gebärmutter Störungen in den Klauen. Ebenso können auch weitere entzündliche Vorgänge (Mastitis, Folgen einer Labmagenverlagerung, Pneumonie etc.) im Körper zu Klauenrehe führen. Die Folgen werden an den Klauen innerhalb von Stunden (perakute Klauenrehe), Tagen (akute bis subakute Klauenrehe) oder Wochen (chronische Klauenrehe) sichtbar. Die subakute Rehe verläuft im Anfangsstadium meist symptomlos und bleibt daher zunächst unbemerkt (subklinische Klauenrehe).

 

Rehefolgen: Bluteinschlüsse an der Sohle

Prophylaxe

Prophylaxe Mortellarosche Krankheit

Die beste Lösung ist definitiv die Remontierung ausschließlich aus dem eigenen Betrieb! Der Hygiene auf Lauf- und Liegeflächen kommt ebenfalls eine große Bedeutung zu. Auch Personen (Viehhändler, Besamer, Tierarzt, Klauenpfleger etc.) und Gegenstände (Güllefahrzeuge, Klauenstände, Werkzeug etc.) können Erreger grundsätzlich verschleppen. Zum Glück sind die auslösenden Bakterien sehr empfindlich und sterben nach wenigen Minuten an der „frischen Luft“. Dennoch sind hofeigene Kleidung für z.B. Tierarzt und Besamer zwingend notwendig, um auch anderen Krankheiten vorzubeugen.
Gegenstände müssen stets gereinigt auf den Hof gebracht werden, bei den anaeroben (unter Luftabschluss wachsend) Mortellaro-Erregern (Treponemen) hat sich eine gründliche Reinigung z.B. des Klauenstandes und der Werkzeuge bewährt. Grundsätzlich sollte hier bereits eine Krankheitseinschleppung jeglicher Art vermieden werden. Eine bestandsspezifische Impfung ist aufgrund des großen Erregerspektrums schwierig. Die Ergebnisse verschiedener Versuche sind nicht einheitlich, bisher steht ein Nachweis eines konstanten Erfolges noch aus.

Prophylaxe Klauenrehe

Die Klauenrehe ist nicht ansteckend, somit besteht die Prophylaxe insbesondere in der Vermeidung von Fütterungsfehlern, gepaart mit bestem Kuhkomfort! Hier steht die Kontrolle der Ration hinsichtlich einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Energie und Raufutter im Vordergrund. Leicht verdauliche Kohlenhydrate können unterschwellige, aber auch schwerwiegende Pansenazidosen (Übersäuerung des Panseninhaltes) hervorrufen. Einer Pansenazidose kann man durch ausreichend Struktur im Futter gegensteuern. 100 g strukturwirksames Futter pro 100 kg Körpermasse gelten als Faustregel. Dabei muss beachtet werden, dass z.B. Stroh (2 - maximal 10 cm lang) zu 40 % strukturwirksam ist, Heu zu ca. 20 %. Für eine 500 kg Kuh müssen also mindestens 1,25 kg bestes Stroh zugefügt werden. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn z.B. Silagekomponenten von eher minderer Qualität sind.
Weitere große Probleme bereiten verdorbene Silagen. Die langfristigen Folgen können sich an den Klauen mehrere Monate später bemerkbar machen (Seitenwandgeschwüre, weiße Liniendefekte etc.). Insbesondere beim Jungvieh werden hier häufig lebenslange Klauenprobleme gesetzt! Auch die Mineralstoff- und Spurenelementversorgung kann die Klauengesundheit bei heranwachsenden und laktierenden Tiere beeinflussen. Mangelzustände müssen entsprechend ausgeglichen werden. Futterzusatzstoffe ersetzen jedoch niemals eine regelmäßige Klauenpflege oder können Probleme im Kuhkomfort keinesfalls einfach ausgleichen. Hier ist die allerbeste Liegebox in einem Kuh- Liegeplatzverhältnis von 1: 1 sowie ausreichende Fressplatzbreite und Anzahl das Wichtigste. 

Maßnahmen zur Erhaltung der Klauengesundheit

Eine Korrektur der Haltungsbedingungen kann neben der gezielten Einzeltierbehandlung zum größtmöglichen Bekämpfungserfolg führen. Da es sich um ein umfangreiches „Puzzlespiel“ bei der Ursachensuche handeln kann, sollte die Beurteilung der Stallung durch Spezialisten des Herdenmanagements erfolgen. Nur so kann im Anschluss ein Stufenplan erarbeitet werden, der die zeitlichen und finanziellen Mittel des jeweiligen Betriebs berücksichtigt.

Lesen Sie mehr dazu auf der Seite Klauengesundheit.

Gastbeitrag Dr.med.vet. Andrea Fiedler, BIOMIN Journal