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Klauengesundheit

Die Klauengesundheit zählt neben der Fruchtbarkeit und der Eutergesundheit zu den drei wichtigsten Gesundheitsmerkmalen in der Milchviehhaltung, aber auch in der Rindermast können diese eine große Rolle spielen.

Das Motto: „Wer rasch hilft, hilft doppelt!“ ist für die Klauengesundheit besonders zutreffend. Zum einen, weil dadurch Leistungseinbußen verhindert werden können und zum anderen, weil dann schwere Erkrankungen meist erst gar nicht entstehen.

Lahmheitserkennung

Der erste Schritt für eine rasche Hilfe ist die Lahmheitserkennung. Dabei werden fünf Lahmheitsgrade (0 = „nicht lahm“ bis 4 = „hochgradig lahm“) unterschieden. Im ersten Grad erkennen wir am gehenden Tier einen gekrümmten Rücken. Diesen sehen wir im Grad zwei auch schon im Stehen. Sobald das Gangbild ein deutliches Hinken aufweist, handelt es sich um Grad drei. Im vierten Grad wird der betroffene Fuß auch beim Stehen deutlich entlastet.
Verschiedene Untersuchungen haben ergeben, dass die Milchmenge bei Lahmheiten im dritten und vierten Grad um 17 % bzw. 36 % vermindert ist. Daneben zeigen sich natürlich auch deutliche Probleme in der Fruchtbarkeit: durch die verminderte Futteraufnahme (bis zu 16 % geringer) wird der Stoffwechsel belastet und die Tiere schmerzbedingt verminderte Brunstsymptome zeigen.
 

Ursachen

Neben einer raschen Diagnose mit entsprechender Klauenpflege, ist das Wissen um die Ursachen von Klauenerkrankungen für gute Vorbeugemaßnahmen entscheidend. Auf Herdenebene sprechen wir hier von den „4 M“: mechanisch – mikrobiell – metabolisch – multifaktoriell.

Bei den mechanischen Ursachen sind Fehlbelastungen durch überwachsene Klauen, Überbelastungen durch lange Stehzeiten oder auch Verletzungen auf glatten Böden und durch Stufen zu nennen. Mikrobielle Probleme sind alle bakteriell bedingten Erkrankungen im Zehenbereich. Ballenfäule und Panaritium fallen ebenso in diese Kategorie, wie Mortellaro oder eine Infektion des Klauenbeines. Im Gegensatz zu diesen beiden lokal bedingten Erkrankungsursachen, stellen metabolische (=stoffwechselbedingte) Ursachen ein komplexeres Problem dar. So können Fütterungsfehler mit Pansen- oder Dickdarmübersäuerungen zu einem massiven Anstieg von Entzündungsmediatoren führen, die dann in den feinen Gefäßen der Klauenlederhaut entsprechende Schäden anrichten.
Ebenso bewirken Stoffwechselprodukte abgestorbener Bakterien nach einer schweren Euter- oder Gebärmutterentzündung Veränderungen an der Lederhaut und führen damit zu einer Klauenrehe. Das vierte „M – multifaktoriell“ stellt eine Kombination der bereits genannten Ursachen dar!

Lahmheitsbewertung bei Kühen

Funktionelle Klauenpflege

Ein wesentlicher Teil der Therapie aber auch der Vorbeuge ist die „funktionelle Klauenpflege“. Zum einen lassen sich dadurch Fehlstellungen und Druckbelastungen vorbeugend ausschalten und zum anderen
werden erkrankte Bereiche der Lederhaut entlastet und können somit wieder gesundes Horn bilden.

Entlastung von Druckstellen

Im Wesentlichen umfasst diese, heute von allen renommierten Klauenpflegern angewandte Methode, fünf Schritte. Zunächst wird die Klaue auf die richtige Länge gekürzt (7,5 cm an der Vorderwand – 8 cm beim Braunvieh!). Im 2. Schritt wird die Sohle an beiden Klauen einer Extremität auf eine gemeinsame, horizontale Ebene geschliffen, wobei eine Sohlendicke (gemessen an der Spitze der Klaue) von ca. 7 mm angestrebt wird. Danach folgt die Hohlkehlung, die an der hinteren Außenklaue auf etwa 2/3 der Sohlenbreite ausgedehnt werden muss. Dadurch wird die Druckstelle des Sohlengeschwüres vorbeugend entlastet. Bei der Hohlkehlung ist allerdings zu beachten, dass sie niemals bis zur Klauenspitze reichen darf, sondern im vorderen Drittel der Sohle eine stabile Fläche mit innerem Tragrand (ca. 3 cm) bestehen bleiben muss. Der 4. Schritt besteht im Glätten der Ballenbereiche, wo loses Horn mit dem Klauenmesser entfernt wird. Erst jetzt wenden wir uns den Defekten zu und entfernen infizierte Hornbereiche oder entlasten Druckstellen.

Gerade das Anbringen von Klauenklötzen zur Entlastung stellt eine wichtige Maßnahme dar, die besonders bei neumelkenden Tieren regelmäßig durchgeführt werden muss um sie möglichst rasch wieder schmerzfrei an den Futtertisch zu bringen. Wird die Klauenpflege nicht rechtzeitig oder fachlich inkorrekt durchgeführt, kann es zur Infektion tieferer Gewebsschichten kommen. Vor allem das Klauengelenk und die tiefe Beugesehne werden dabei rasch in Mitleidenschaft gezogen. Hier kann dann nur noch eine Operation oder Amputation durch den Tierarzt zu einer Heilung führen.

Zu einer korrekten Klauenpflege gehört auch eine entsprechende Dokumentation der Befunde. Diese Klauenpflegeprotokolle helfen uns, die Ursachen von Klauenproblemen aufzudecken. Treten vermehrt Klauensohlengeschwüre im Betrieb auf, so ist meist eine zu geringe Hohlkehlung daran schuld. Zum einen kann es sich um einen Klauenpflegefehler handeln, zum anderen kann aber auch starker Abrieb dafür verantwortlich sein. Weiters ist auch das Fehlen des Fettpolsters in der Sohle, wie er bei starkem Konditionsverlust auftritt, mitverantwortlich für Sohlengeschwüre. Seitenwanddefekte treten auf, wenn Kühe lange Zeit mit den Vorderbeinen in den Boxen stehen und damit das Gewicht nach hinten verlagern. Fehlender Kuhkomfort oder Hitzestress sind oftmals die Auslöser. Auch enge Wendungen (z.B. bei Melkstandausgängen) führen durch Scherkräfte zu Wanddefekten. Dasselbe Phänomen finden wir, wenn Tiere bei Sackgassen durch rasche Wendungen versuchen, einander auszuweichen.

Bestandesprobleme erkennen und Handlungen setzen!

Manchmal sind auch Klauenspitzengeschwüre ein Bestandsproblem. Die Ursachen dafür liegen entweder in falscher Klauenpflege (Dünnschneiden der Sohle) oder in neuen oder frisch aufgerauten Böden. Die mikrobiell verursachten Erkrankungen wie Panaritium, Ballenfäule oder Mortellaro sind stets durch hygienische Maßnahmen zu verbessern, wobei der Frequenz von Schrappern und dem Einsatz von Spaltenschiebern besondere Beachtung zukommt. Beim Panaritium ist jedoch auch auf potenzielle Verletzungsrisiken im Zwischenklauenspalt zu achten, wo in der Folge Bakterien eindringen. Dabei kann es sich um Steine oder Eisklumpen im Auslauf ebenso handeln, wie um abgerissene Schrauben von Aufstallungselementen, die aus dem Boden ragen.
Finden sich in den Protokollen vermehrt Hinweise auf Klauenrehe, so muss in jedem Fall die Fütterung in Hinblick auf Rohfaserversorgung, Stärkeeinsatz und -verdaulichkeit überprüft werden. Somit ergibt sich aus den Maßnahmen Lahmheitserkennung, funktionelle Klauenpflege und Beurteilung der Klauenpflegeprotokolle ein klarer Leitfaden. Dieser sollte jedem Betrieb ein strukturiertes Vorgehen zum Erhalt der Klauengesundheit und zur Behebung von Fehlern in Fütterung und Management ermöglichen.

Saubere Laufgänge, komfortable Liegeflächen und gute Ventilation als Voraussetzung für gesunde Klauen.

Kuhkomfort nicht vergessen

Liegenboxenmanagement

Schmutzige Kühe deuten auf schlechte Laufgangund Boxenhygiene hin. Es muss ein gutes Liegebett, durch tägliche Boxenpflege, gewährleistet werden. Durch die richtige Liegeboxengröße steht die Kuh gerne auf und legt sich auch wieder gerne hin. Ziel sind 10 bis 14 Stunden Liegedauer pro Tag.

Hauptursachen, warum Liegebuchten nicht funktionieren (Kuhsignale, Jan Hulsen 2008)

  • Nicht genug Einstreu, bzw. keine gute Liegematte
  • Falsch platzierter Nackenriegel
  • Liegebox lässt den Ausfallschritt nicht zu
  • Keine Frischluft bzw. keine Sicht

Cow-Comfort-Quotient (Tierärztliche Bestandbetreuung beim Rind)

  • (Anzahl richtig liegender Kühe/Anzahl liegender Kühe u. stehender Kühe in Liegeboxen) x 100
  • Kontrolle in der Stallruhezeit
  • Zielwert: > 80%
  • ansonsten Mängel im Liegebereich
Bodenbeschaffenheit

Wenn die Stallübergänge, bzw. Melkstandböden zu glatt geworden sind, empfehlen wir in diesen Bereichen Gummiböden anzubringen. Diese sorgen dafür, dass die Tiere trittsicherer sind und weniger ausrutschen. Aufrauen der Laufgänge und regelmäßiges Abschieben unterstützen die Lauffreude und Sauberkeit der Tiere.

Kuhverhalten bei glatten Böden (Kuhsignale, Jan Hulsen 2008)

  • Ausrutschen beim Treiben und Flüchten
  • Zeigen eine schwache Brunst
  • Aufsuchen rutschfester Bereiche der Laufgänge, z.B. laufen an der Seite
  • Vorsichtiger und breitbeiniger Gang mit gesenktem Kopf und kleinen Schritten
Fütterung

Die „Allgemeinen Fütterungsregeln“ sollten mit ihrem zuständigen Fütterungsberater regelmäßig kontrolliert werden, wobei die Strukturversorgung der Mittelpunkt sein soll. Als Prophylaxe für eine positive 
Klauengesundheit kann mit organischen Spurenelementen und Biotin gearbeitet werden. So wird generell die Immunität und die Klauengesundheit unterstützt. Mit unseren Produkten KuhFit® Optima als Mineralfutter oder Biomin® Organo SP als Zulage mit 50g (Trockenstehzeit oder 100 Tage Futter) kann gezielt unterstützt werden.

Klauenbad

Wir empfehlen zusätzlich, einmal wöchentlich, ein Klauenbad anzuwenden. Des Weiteren sollten Kühe mit krankhaftem Mortellaro M2-Stadium direkt mit einem Antibiotikum und einem Verband behandelt werden. Der Verband muss nach einem Tag entfernt werden. Anschließend sollten die Tiere zwei Tage in der Woche durch ein Klauenbad laufen.

Fazit

  • Hygiene verbessert die Klauengesundheit
  • Druckentlastung und Abtrocknung der Klauen durch optimales Liegeboxenmanagement erreichen
  • Regelmäßige Erhebung des Locomotionscores ergibt Auskunft über den Herdenstatus
  • Die leicht lahme Kuh ist so schlimm wie eine Euterentzündung, d.h. sofort reagieren!
  • Die Kuh ist nicht lahm weil sie uns ärgern will, sondern weil wir es selber verursacht haben!

Lösungen

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