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Milchaustauscher

Inhaltsstoffe, Formulierung und Vorteile für Kälber

Für ein neugeborenes Kalb ist es wichtig, so schnell wie möglich ausreichend und qualitativ hochwertiges Kolostrum zu erhalten. Dies bedeutet, dass  sie innerhalb der ersten 4 Lebensstunden mehr als 12% ihres Körpergewichts an Kolostrum und innerhalb von 12 Stunden weitere 2 Liter benötigen.

Das bereitgestellte Kolostrum muss von einer bestimmten Qualität sein und einen Mindestgehalt von 50 g Immunglobulin G (IgG) pro Liter aufweisen. Da neugeborene Kälber keine aktive Immunität haben, sind sie auf Kolostrum als einzige Antikörperquelle angewiesen, um gesund zu bleiben.

Wann Kälbern Milchaustauscher gegeben werden sollte 

Abhängig vom Fütterungs- und Haltungssystem wird der Milchaustauscher in der Regel nach 3 Tagen Kolostrum- und Übergangsmilchfütterung an neugeborene Kälber verfüttert.

Zu den Vorteilen der Fütterung eines Milchaustauschers gehören:

  • einfache Handhabung
  • Biosicherheit
  • Wirtschaftliche Vorteile

Die Zusammensetzung, Menge und Qualität von Milchaustauschern für Kälber wird fortlaufend erforscht. Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass sich das postnatale Kälberwachstum bei intensivierten Milchfütterungssystemen positiv auswirkt.

Milchaustauscher-Zutaten 

Die Enzymaktivität im Labmagen und Dünndarm ist auf die Milchverdauung in den ersten Lebenswochen des neugeborenen Kalbes ausgerichtet. Folglich enthält der beste Kälbermilchersatz hochverdauliche Protein- und Energiequellen, die aus der Milch gewonnen werden.  

Die üblichen Bestandteile in Milchaustauschern sind Nebenprodukte aus der milchverarbeitenden Industrie, wie z.B.

  • Molkepulver
  • Teilentzuckertes Molkepulver
  • Molkeproteinkonzentrat
  • Magermilchpulver
  • Kasein

Neben Milchnebenprodukten sind pflanzliche Proteine, Pflanzenöle und Futtermittelzusatzstoffe nützliche Bestandteile von Kälbermilch. Abhängig von den Aufzuchtzielen und dem Alter des Kalbes sind die Komponenten mehr oder weniger für Milchaustauscher geeignet.

Eiweißgehalt und -quellen

Proteine sind typischerweise die teuersten Zutaten in einem Milchaustauscher, wobei viele verschiedene Proteinquellen verwendet werden. Der Proteingehalt in Kälbermilchaustauschern liegt zwischen 20% und 28%.

Die optimale Proteinkonzentration hängt stark von der täglichen Fütterungsmenge ab. Darüber hinaus ist die Energie und das Verhältnis von Protein zu Energie ein begrenzender Faktor, wenn es um höhere Eiweißgehalte geht.

Die Quelle des Eiweißes ist ebenso wichtig wie die Eiweißmenge. Die Proteinquelle hat einen enormen Einfluss auf die Verdaulichkeit von Kälbermilchaustauschern.  

Die wichtigsten Proteinverdauungsenzyme, die im Labmagen abgesondert werden, sind vorwiegend Chymosin (das Kasein verdaut) und Pepsin (das Molkenprotein verdaut). Nicht zufällig werden diese Enzyme im gleichen Verhältnis gebildet wie sich die Proteinzusammensetzung der Vollmilch darstellt, nämlich zu etwa 80% Casein und 20% Molkenprotein.  

Mit zunehmendem Alter nimmt die Verdauungskapazität der Kälber für Nicht-Kaseinprotein zu. Dadurch können Kälbermilchaustauscher mehr pflanzliche Proteinquellen enthalten.

Tabelle 1. Die scheinbare Verdaulichkeit von Proteinquellen je nach Kälberalter ist für einen Kälbermilchaustauscher entscheidend | Quelle: BIOMIN

ProteinquelleAlter der Kälber (Wochen)Scheinbare Verdaulichkeit (%)
Vollmilch393,5
596,6
Magermilchpulver391,9
596,1
Molkepulver590,0
Sojaproteinkonzentrat256,6
781,8

Fettgehalt und -quellen

Fett ist die Hauptenergiequelle in Milchaustauschern. Meistens liegt der Fettgehalt zwischen 18% und 22%. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass ein hoher Fettgehalt in Kälbermilchaustauschern (z.B. 28%) bei jungen Kälbern zu einem hohen Fettzuwachs und Leberbelastungen führt - im Gegensatz zum primären Ziel der Kälberaufzucht, nämlich dem Wachstum von Muskelgewebe.  

Je nach Markt sind auch Schmalz und Talg interessante Fettquellen, die bei der Herstellung von Kälbermilchaustauschern verwendet werden. Pflanzliche Öle wie Palm- und Kokosöl werden in der EU am häufigsten verwendet. 

Neben dem Fettgehalt und der Fettquelle hat die Partikelgröße einen großen Einfluss auf die Verdaulichkeit. Da Fett an sich nicht wasserlöslich ist, ist eine Kombination mit Proteinen nützlich, um einen homogenen Milchaustauscher zu erhalten. Molkefettkonzentrate als Bestandteil liefern sehr kleine, gleichmäßig verteilte Partikel, die sich leicht in Wasser lösen.

Darüber hinaus liefern Kohlenhydrate wie Laktose Energie in Kälbermilchaustauschern. Sie ist ein natürlicher Bestandteil von Molke und wird von Laktase verdaut, dem primären Enzym, das vom jungen Kalb produziert wird. Amylase und Maltase zur Verdauung von Stärke werden beim jungen Kalb in geringen Mengen produziert. Daher wird empfohlen, Stärke in Milchaustauschern zu vermeiden.

Tabelle 2. Die scheinbare Verdaulichkeit von Fettquellen für Milchaustauscher | Quelle: BIOMIN

FettquelleVerdaulichkeit in %
Butterfett

97 (95-98)

Kokosfett

95 (93-96)

Palmöl

93 (90-95)

Palmöl nicht hydrolysiert88
Maisöl88
Schmalz92 (87-96)
Talg87 (85-93)
Knochenfett94 (93-95)

Praktische Verwendung von Kälbermilchaustauschern

Vollmilch hat einen Trockenmassgehalt von etwa 12,5 %. Darum sollte beim Anmischen von Milchaustauschern nie weniger als 12,5 % Trockenmasse enthalten sein. 

Je nach Ihrem Fütterungsplan kann die Pulverkonzentration für den Milchaustauscher bei bis zu 16 % liegen. Höhere Pulverkonzentrationen bewirken eine höhere Nährstoffversorgung  der Kälber und dadurch auch höhere Leistungen.

Im Winter, wenn der Energiebedarf für das junge Kalb höher ist, ist eine höhere Pulverkonzentration vorteilhaft. Verwenden Sie auch bei Hitzestress eine höhere Pulverkonzentration, da die Kälber wahrscheinlich weniger Milchaustauscher aufnehmen aber zusätzliche Energie zur Kühlung ihres Körpers benötigen. 

Für das Anmischen mit der richtigen Konzentration beim Milchaustauscher muss das Pulver gewogen werden. Verwenden Sie eine Waage, um das Gewicht des Pulvers regelmäßig zu überprüfen. Da sich sowohl die Umgebungs- als auch die Lagerbedingungen auf die Dichte des Milchaustauschers auswirken können, ist es beim Mischen des Milchaustauschers am besten, das Pulver dem Wasser zuzusetzen, nicht umgekehrt.

Je nach den technischen Möglichkeiten im Betrieb erfolgt das Mischen des Milchaustauschers von Hand, mit automatischen Rührgeräten oder automatischen Kälbertränken. Achten Sie auf eine Wassertemperatur von 40-42°C beim Anrühren und 38-39°C bei der Fütterung. 

Die Verwendung von organischen Säuren oder angesäuerten Milchaustauschern für Kälber ist üblich, um die Verdauung zu unterstützen und Durchfall zu verhindern.  

BIOMIN-Lösungen

BIOMIN bietet mit der NURIline ein hochmodernes Fütterungskonzept für Kälber an, das für eine optimale Tierentwicklung vom Kalb bis zum ausgewachsenen Tier ausgelegt ist.

Das Fütterungskonzept umfasst die Milchaustauscher-Produktlinie NURImilk, welche hochwertige Milchkomponenten mit spezifischen Futterzusätzen wie Biotronic® PX Top3 und Digestarom® Bos kombiniert, um das volle Wachstumspotenzial der Kälber auszuschöpfen.

Biotronic® PX Top3 ist ein Booster für organische Säuren, der starke Wirkungen gegen gramnegative Bakterien wie E. coli und Salmonella spp. hat. Die Versuchsergebnisse zeigen, dass Biotronic® PX Top3 das Auftreten und die Schwere von Durchfall bei Kälbern wirksam reduziert. 

Digestarom® Bos ist ein phytogener Futtermittelzusatzstoff, der speziell für die Rinder- und Kälberzucht entwickelt wurde. Er verbessert die Futteraufnahme, reduziert den Verdauungsstress im Darm und wirkt sich daher positiv auf das Wachstum der Kälber aus.  

Abbildung 1. Mit Biotronic® PX Top3 | reduzierte Kotkonsistenzwerte Quelle: BIOMIN-Studie (Studie Nr. 92)
Abbildung 1. Mit Biotronic® PX Top3 reduzierte Kotkonsistenzwerte Quelle: BIOMIN-Studie (Studie Nr. 92)
Abbildung 2. Digestarom® Bos verbessert die durchschnittliche tägliche Gewichtszunahme (ADG) | Quelle: BIOMIN-Studie (Studie 470)
Abbildung 2. Digestarom® Bos verbessert die durchschnittliche tägliche Gewichtszunahme (ADG) Quelle: BIOMIN-Studie (Studie 470)
Quellen

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